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STRALSUND - St. Nikolai - Astronomische Uhr |
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Dargestellt ist HALI. Er wird zitiert mit: "Dies : elevacio solis super orizontem", also: "Dies : elevatio solis super horizontem", d. h. "Tag ist die Erhebung der Sonne über den Horizont."
Über Hali ist zu finden:
"Hali veröffentlicht ein Werk über den Bau und die Instandhaltung von
Wasseruhren."
Quelle: Kalendersysteme
(http://www.kalendersysteme.de/deutsch/kalender/systeme/inhalt.html)
"Hali (auch Ridwan genannt) veröffentlicht
ein Werk über den Bau und die Instantsetzung von Wasseruhren."
Quelle: Juwelier Mares
(http://www.juwelier-mares.de/zeittafel.html)
Diese Zeittafel verbirgt sich hinter der Homepage
von Juwelier Mares in Bitburg unter "Menue" -
""Sonstiges" - "Ratgeber"
| Press mark | Oxford, Bodleian Library, Bodley 472 |
| Author standard | Ptolemaeus Alî ben Ridhwân (comm.) Plato Tiburtinus (tr.) |
| Short title ms. | Centiloquium (with commentary) |
| Addit. Names | Abu Ja'afar Ahmad ben Yûsuf |
Die (für mich) ergiebigste Information ist die Beschreibung der Doberanischen Astronomischen Uhr (Fettdruck in dieser Quelle von mir):
Das Ziffernblatt der ehemaligen Astronomischen Uhr
Die ehemalige
Astronomische Uhr im Doberaner Münster stammt aus der Frühzeit der Räderuhren.
Bereits um 1390 wurde das technische Meisterwerk von Nicolaus Lilienfeld nach
dem geozentrischen Weltbild angefertigt. Ursprünglich hatte es wohl auch ein
Kalendarium. 1637, im 30jährigen Krieg, wurden die beweglichen Apostelfiguren
gestohlen und in Silbermünzen eingeschmolzen. Der Mechanismus wurde ebenfalls
zerstört. Die Reste des Uhrwerkes wurden 1830 vernichtet, das Ziffernblatt
blieb jedoch im sehr guten Zustand erhalten.
Der ursprüngliche Standort der Uhr muss die Westwand des Südquerhauses, an
der ehemaligen Dormentreppe gewesen sein, dort, wo die Mönche vom Schlafsaal
zum nächtlichen Gebet in die Kirche kamen.
Die Uhr konnte zwei Zeiten anzeigen: die ungleichen Temporalstunden, also die
irdische Zeit, sowie die heute üblichen gleichlangen Sonnenstunden also die göttliche
oder kosmische Zeit. Verhältnismäßig lang, bis in das 15. Jahrhundert, müssen
sich die Mönche nach den Temporalstunden gerichtet haben. In den Städten war
dies damals längst nicht mehr üblich.
Die ganze Konstruktion ist sehr weltoffen dargestellt. In den vier Ecken sind
berühmte Philosophen und Astronomen der Antike und des Mittelalters
abgebildet: Ptolemäus, gestorben nach 160, war ein alexandrinischer
Astronom, Mathematiker und Geograph. Er vertrat das geozentrische Weltbild,
das über 1500 Jahre Gültigkeit behielt. König Alfons X. von Kastilien
starb 1284 und war ein großer Mäzen und Förderer der Wissenschaft,
veranlasste Gesetzessammlungen, die Abfassung der Geschichte von Spanien und
der Welt, förderte die Übersetzung arabischer Werke und war selbst
literarisch tätig. Er ließ die Alfonsinischen Tafeln für die Seefahrt
anfertigen, die bis ins 19.Jahrhundert maßgeblich verwendet wurden. In den
unteren beiden Zwickeln sind Hali und Abu Maschar dargestellt.
Letzterer war ein arabischer Astrologe, der im Jahre 886 im Irak starb. Er
schuf astrologische Handbücher, die durch lateinische Übersetzungen für das
Aufstellen von Geburtshoroskopen auch im Abendland lange maßgeblich blieben.
Schriftbänder dieser Gelehrten zeigen astronomische Grundtatsachen. Sie
formulieren aber direkt oder indirekt: Gott ist allein Schöpfer der Zeit und
bestimmt das Schicksal des Einzelnen.
Auf dem Schriftband von Ptolemäus ist beispielsweise zu lesen: "Das
Niedere wird vom Höheren gelenkt".
Folgende Rückschlüsse zu Aufbau und Funktion der Doberaner Uhr lassen sich
durch den Vergleich mit dem Werk des selben Meisters in der Nikolaikirche zu
Stralsund und der funktionstüchtigen Uhr im schwedischen Lund schließen: Sie
hatte drei Zeiger, den Sonnen- und Stundenzeiger, den Mondzeiger und die Sphäre
der Tierkreiszeichen. Der große nach unten geöffnete Bogen auf der Scheibe
ist die Horizontlinie. Sie trennt den darüberliegenden Tag- von dem ihn
umschließenden Nachtbereich. Der an ihn anschließende, unterschiedlich
breite, verwaschene Bereich gibt die Zeit der Dämmerung an, die im Winter kürzer
als im Sommer ist. Zuäußerst sieht man den Stundenring mit den römischen
Zahlen I-XII zweimal. Daran finden wir die heutige Stundenzählung, die am
Ende des 14. Jahrhundert keinesfalls selbstverständlich war. Üblich war die
Teilung des Tages und der Nacht, getrennt durch Auf- bzw. Untergang der Sonne,
in jeweils zwölf ungleiche Stunden. Die Sommertagesstunden konnten bis zu 80
Minuten, die Wintertagesstunden nur 40 Minuten unserer Zeit dauern.
An den schmalen bogenförmigen Linien konnte man von Schnittpunkt des
Horizontbogens die ungleichen Stunden ablesen. Die konzentrischen Kreise im
zentralen Teil der Scheibe zeigen im Zusammenspiel mit dem kreisförmigen
Tierkreiszeiger und dem stabförmigen Sonnen- bzw. Mondzeiger, in welchem der
Tierkreiszeichen sich die Sonne bzw. der Mond bewegen.
Von der Uhr wurden die Tageszeit in gleichlangen und ungleichlangen Stunden,
die Zeiten des Sonnen- und Mondaufganges und ihrer Untergänge, die Stellung
des Mondes in den Tierkreiszeichen und damit das ungefähre Datum und die
gegenseitige Stellung von Sonne und Mond, gezeigt.
M. Heider
Text: ev.-luth. Kirchgemeinde/ Doberaner Münster
Quelle: http://www.doberanermuenster.de/html-rundgang/15a_info.html