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Blick vom
südlichen ins nördliche Querschiff der Kathedrale, kurz vor einem
Gottesdienst; man sieht schön den Botafumeiro, den Weihrauchkessel,
herabhängen.
"Die Legende - nachweisbar seit dem
7. Jh. - erzählt von dem Apostel und Pilger Jakobus d. Ä., seiner
Wirksamkeit in Spanien und seinem Grab, um das herum die heutige Stadt
Santiago entstand. Santiago war im Mittelalter neben Jerusalem der
bedeutendste Wallfahrtsort der Christenheit. Die Muschel, Symbol der
Sankt-Jakobus-Pilger, ist heute noch populär. Zu Tausenden wanderten die
Frommen, meist arme Leute, zu Fuß quer durch Europa hierher, allen
Gefahren zum Trotz. Klöster, Kirchen, Hospitäler entstanden, um sie auf
ihren Wegen zu schützen, zu beherbergen und zu pflegen. Die deutschen
Pilger versammelten sich in Trier, die englischen gingen in Soulac (Gironde)
an Land. Der französische Pilgerweg (la Calzada) führt von den Pyrenäen
über Burgos und Astorga nach Santiago. Die Nationalbibliothek Paris
bewahrt eine Wegkarte aus dem Jahr 1621, auf der alle Etappen der
Pilgerwege eingezeichnet sind. Den Orden der Ritter von Santiago
bestätigte 1175 Papst Alexander III.
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Über dem Grab des Heiligen errichtete schon König Alfons II. der Keusche
(792-842) ein Sanktuarium, das durch seinen Nachfolger, den großen Alfons
III. (866-909) erneuert und vergrößert wurde. Die Mohammedaner unter
Almansor zerstörten 997 das Heiligtum. Unter Alfons VI. begann 1075 der
Neubau der Kathedrale, 1128 wurde sie geweiht. Später kamen weitere
Türme und Kapellen hinzu; der schöne Kreuzgang entstand 1521.
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Erst hinter dieser barocken Pracht <der Westfassade> erhebt sich die
romanische Kirche, die größte der Christenheit. Das majestätische Schiff,
das Triforium, die hohen Galerien und das mächtige Querschiff - alles ist
vollständig erhalten. Das Ganze, in der Form eines lateinischen Kreuzes,
ist weiträumig angelegt. Die Kathedrale hat drei Schiffe; sie ist 100 m
lang (innen 94 m), das Mittelschiff ist 24 m hoch, die Kuppel 33 m; das
Querschiff misst 67 m. Die Konzeption weist auf französische Anregungen;
zu denken ist an Saint-Etienne in Nevers, weniger an den
gleichzeitigen bzw. wenig späteren Bau der Kirche Saint-Sernin in
Toulouse. Auf die Verwandtschaft mit der französischen Romanik deutet vor
allem der Chorumgang hin.
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Das Dekor der Kapellen ist prunkvoll überladen, oft problematisch. Der
Hl. Jakobus auf dem Hochaltar ist eine steinerne Skulptur des 12. Jh.,
eher imposant als schön. Tieferen Eindruck hinterlässt die Grabfigur der
Königin Juana de Castro (+ 1374) in der Capilla de las Reliquias, trotz
der späten Zeit noch romanisch."
DuMont: SPANIEN, Bildatlas der Spanischen
Kunst, S. 238 und 240
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