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Blick vom Beginn
des Ostchors in die Vierungskuppel der Kathedrale von Burgos
"Die Kathedrale Santa María
hat mächtige Proportionen. Die vielfältigen Kapellen, die hinzugekommen
sind, die Festlichkeit der Ornamentik, die reichen Retabel, die
Grabmäler, die sie birgt, sind eine Welt für sich. Der Bau ist 106 m
lang, 56 m breit. Die Kathedrale, 1221 gegründet, ist in ihren Elementen
reine Gotik. Davon zeugt noch die Struktur der Schiffe. Es ist aber
schwer, die alte Kathedrale zu erraten unter dem 'Wundermantel', den die
Jahrhunderte dann hinzugewoben haben. Man hat länger als 300 Jahre an
diesem Werk gebaut.
Der 50 m hohe Vierungsturm ist überragt von acht verschwenderisch
ausgestalteten Ziertürmen. Théophile Gautier meinte darin das üppige
Gezweig des brasilianischen Urwalds zu erblicken. Die beiden Glockentürme
tragen Turmspitzen in Form achteckiger Pyramiden aus reich durchbrochenem
Stein; sie sind die Arbeit eines Deutschen, Hans von Köln (Juan de
Colonia, 1442-1458).
Die Westfassade der Kathedrale an der Plaza de Santa María ist schlicht;
sie wurde im 18. Jh. restauriert und hat dabei die schöne Fensterrose
behalten.
An der Nordfront der Kathedrale die Puerta de la Coronería, auch Apostelportal
genannt: die Gewände des Portals tragen die Statuen der Apostel. ...
Die Capilla del Conetablo (jenes berühmten Feldherrn Don Pedro Fernández
de Velasco, der 1491 einige Tage vor dem Einzug seines Königs in Granada
starb) bildet die nordwestliche Ecke des Bauwerks. Die Kapelle wurde 1482
an das Kirchenhaupt angebaut. ... Die Kapelle del Conetablo baute Simón
de Colonia, Sohn von Juan, der die Glockentürme schuf. Simón vollendete
die Fassade der Sakristei um 1494.
An der Südfassade finden wir die Puerta del Sarmental, reich
differenzierte französische Gotik (13. Jh.) - im Tympanon die Vier
Evangelisten mit ihren Symbolen. Durch dieses Portal gelangt man in
den Kreuzgang, der - aus derselben Epoche, im selben Stil - in zwei
Stockwerken gegliedert ist. Die Türflügel des Portals sind mit Finesse
und Schwung geschnitzt: Einzug in Jerusalem; Hölle.
[...]
Aus dem Reichtum der Skulptur an den zahlreichen Retabeln der Kathedrale
von Burgos sei hervorgehoben: am Hauptretabel Himmelfahrt und Krönung
der Jungfrau von Juan de Anchieta (1578); im Querschiff drei Reliefs
von Felipe de Bigarny (auch Biguerny genannt) oder von Borgoña
(1498-1543), darunter ist die Kreuztragung wohl die beste Arbeit.
Die differenzierte Komposition vereinigt mit vollendeter Kunst das
Nacheinander der Zeit; es ist eine richtige Erzählung. Hinter der Gruppe
mit dem kreuztragenden Christus erkennt man Veronika, andächtig und
abgeklärt; vorn die Schächer, wie man sie nach oben stößt; dort warten
auch die heiligen Frauen; in einer Ecke rechts ein Arbeiter, der das Loch
gräbt, in das man später das Kreuz stellen wird. Am Retabel der Capilla
del Conetablo waren Bigarny und Diego de Siloé beteiligt; hier sieht man,
in schöner Symmetrie, eine Darstellung im Tempel. ... Der Jesse-Baum
auf dem Retabel der Capilla de Santa Ana stammt von Gil de Siloé (Diegos
Vater)."
DuMont: SPANIEN, Bildatlas der Spanischen
Kunst, S. 82-86
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