astorga

Ecke einer Statuennische mit zwei Baldachinen

"Wird man nach Astorga reisen, nur um den bischöflichen Palast zu sehen, den Antonio Gaudí 1889 zu bauen begann und den er unvollendet ließ? Kaum. Interessant ist es freilich, den Palast mit der benachbarten Kathedrale zu vergleichen. Gaudí gibt sich hier nicht so exaltiert wie in Barcelona (Sagrada Familia), sogar eher streng: seine Auffassung von Gotik - fast jeden Ornaments entblößt - schafft einen heiteren Kontrast zur Kathedrale.
Die Kathedrale ist als bezauberndes Werk der ausgehenden Gotik anzusprechen, einer blühenden Gotik, schon von der Renaissance berührt. Der erste Stein zum Chorhaupt - an der Stelle des alten romanischen Baues - wurde 1471 gelegt. Das Innere der Kathedrale ist lauterste Gotik. Vom Schiff sind nur das vertikale System und zwei Joche im ersten Arbeitsgang entstanden (und um 1530 vollendet). Man hat sich dabei peinlich genau an den Plan der früheren Kirche gehalten: drei Schiffe, kein Querschiff. Die Chorkapellen sind polygonal geschlossen (fünf Flächen oder sieben Flächen). Das ungemein verschwenderisch und feingliedrig durchgeformte Äußere des Kirchenhaupts folgt derselben Gliederung. Die Gewölbe sind sternförmig, nach komplizierten und wechselnden Mustern geordnet. Die Pfeiler - aus gekehlten Diensten gebündelt - fließen ohne Kapitell, ohne Gesims nach oben. Leichtigkeit und Anmut, das ist der Gesamteindruck, den das Schiff hinterlässt; die hohe, kreisrunde Umgangsgalerie trägt das ihre dazu bei.
Die sehr schöne Barockfassade wurde erst viel später, in der zweiten Hälfte des 17. Jh., hinzugefügt. Einer der Türme blieb unvollendet, das beeinträchtigt die Wirkung des Ganzen, die dennoch etwas Majestätisches hat. Die Wiederholung der Vertikalen gibt dem Werk seinen Rhythmus, den das Spiel der Schatten auf dem Zentralbau und, leicht verkürzt, auf den Türmen noch steigert. Die Türme bestehen aus fünf Stockwerken, sparsam verziert. Das Portal aus rosa Sandstein, mit ausladendem Gesims, ist überreich mit plastischen Darstellungen aus dem Neuen Testament verziert - und gekrönt  von Balustraden, Pilastern und kleinen Laternen. Ein sehr persönliches Element hilft alle Steifheit überwinden: die glückliche Verschmelzung der Türme mit dem Zentralbau durch die Schwibbogen, die wie feine Stege wirken."

DuMont: SPANIEN, Bildatlas der Spanischen Kunst, S. 4

Lage mit Stadtmauer

Bischofspalast

Westfassade

Portalgewände

Vertreibung aus dem Tempel

Südseite

Giebel des Südportals

Baldachine