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Band XXVIII (2007)
Autor: Karl-Reinhart
Trauner
CARION, Johann(es), Historiker und
Astrologe;
* 22. März 1499 in Bietigheim (heute: Bietigheim-Bissingen, rund
25 km nördlich von Stuttgart, Württemberg) als Johannes Negelin (bzw. Nägelin
od. Nägele),
† 2. Februar 1537 in Berlin. -
Hinter die hier angegebenen Lebensdaten müßten Fragezeichen gesetzt
werden, wie insgesamt die Lebensdaten J.C.s unsicher sind, was umso mehr
erstaunt, als C. eine der bekanntesten und schillerndsten Personen seiner
Zeit war. -
Über seine Kindheit und frühe Jugend wissen wir so gut wie nichts.
Offenbar hat er die - wohl seit 1411 bestehende - Lateinschule seiner
Heimatstadt besucht; - ebenso wie knapp nach ihm Sebastian Hornmold
(*1500), der später Vogt von Bietigheim und erster württembergischer
Kirchenratsdirektor war. - C. begann anschließend am 21. April 1514
als Fünfzehnjähriger sein Studium an der Tübinger Universität, wo
knapp davor der rund zwei Jahre ältere Philipp Melanchthon (*1497) seine
Prüfung zum Magister artium bestanden hatte. C. wurde wahrscheinlich
einerseits Melanchthon Schüler, andererseits besuchten sie beide die
Lehrveranstaltungen bei Johannes Stöffler (†1531), einem der
bekanntesten Astronomen/Astrologen seiner Zeit. Außerdem scheint C. hier
mit Johannes Reuchlin (†1522) in Kontakt gestanden haben. -
1518 gibt er auf jeden Fall sein erstes astrologisches Werk heraus,
eine knapp formulierte Jahreschronik auf das Jahr
1519, das er noch unter
dem Namen "Joanis Naegelin von Buetighaim" publizierte. Offenbar
hatte er seine Studien auch um diese Zeit mit der Erlangung der Magisterwürde
in Tübingen abgeschlossen, denn bei seinem Werk führt er diese schon. -
Unklar ist, ob (und wenn wo) C. seine Studien weiterführte. Ein Studium
in Wittenberg ist erst für das Wintersemester 1532 nachweisbar; er ließ
sich hier als Astronom eintragen. Daß C. Professor in Frankfurt a. d.
Oder gewesen sei kann nicht nachgewiesen werden; in den Matrikeln der
Universität findet sich sein Name jedenfalls nicht. -
Offenbar bereits 1518 oder knapp danach kam C. (wie die
Jahreschronik auf das Jahr 1519 beweist) auf Geheiß des Kurfürsten
Joachim I. Nestor (†1535) als Hofmathematiker nach Berlin, denn hier
nennt er sich bereits "des durchleuchtigen Fürsten und Herrn Joachim
Markgrafen von Brandenburg Astronomus". - Bald nach seiner Bestellung
an den Berliner Hof nahm er seinen Humanistennamen "C." an;
Caryophyllus heißt Gewürznelke. Auf den beiden bekannt gewordenen Porträts
trägt er die Nelke im Wappen bzw. im Siegelring. Der Name "C."
findet sich bei seiner ersten Prognostikation, einer Sterndeutung, aus dem
Jahr 1521. 1535 promovierte C. schließlich zum Doktor der Medizin.
-
In Berlin unterrichtete er zunächst den 17jährigen Prinzen Joachim II.
(*1605) in Mathematik und Astrologie, wenn
hier nicht genauso eine Namensverwechslung mit Johannes Negelin aus
Gunzenhausen vorliegt wie bei seiner vermeintlichen Professur in Frankfurt
a. d. Oder. Auf jeden Fall gab er in Berlin nach dem Vorbild des Tübinger
Professors für Astronomie bzw. Astrologie Johannes Stöfflers Kalender
heraus. In weiterer Folge wurde er ständiger Berater des Kurfürsten,
begleitete ihn auf seinen Reisen und nahm diplomatische Aufgaben wahr. Möglicherweise
hielt er auch wissenschaftlichen Kontakt zu der von Joachim I. 1506 gegründeten
Universität in Frankfurt a. d. Oder. -
Im Laufe der Zeit wurde C. ein wichtiger Mann am Hofe des streng
katholischen Kurfürsten Joachim I. Gemeinsam führten sie astronomische
Beobachtungen durch, an denen der Kurfürst sehr interessiert war. Die
Ergebnisse dieser Beobachtungen wurden von C. oft astrologisch gedeutet. Seine
bekannteste astrologische Vorhersage betraf das Jahr 1524, für das er
- wie viele andere Astrologen auch - eine Sintflut, die große Teile der
Erde zerstören sollte, vorhersagte. Auch andere Astrologen deuteten die
Sterne in ähnlicher Weise. Es kam zu Massenhysterien und tumultartigen
Geschehnissen. Doch die für Februar 1524 vorhergesagte Sintflut blieb
aus. - Die Prophezeiung hatte auf einer Vorhersage Stöfflers aus dem Jahr
1499 beruht. Nun, da das Geschehen ausgeblieben war, modifizierte C. diese
alte Vorhersage, und prophezeite als neuen Termin den 15. Juli 1525 -
allerdings nur privatim an den Kurfürsten. Doch die Sintflut blieb wieder
aus! -
C. zählt mit seinen astronomisch-astrologischen Werken zu den
wichtigsten Autoren seiner Zeit. Diese Bedeutung baut weniger auf der
Anzahl seiner Werke, sondern ist vielmehr durch die zahlreichen Auflagen,
die manche seiner Werke erlebten, begründet. - Sein erstes Werk
ist die angesprochene "Prognosticatio und Erklerung der großen Wässerung"
des Jahres 1524, erstmals 1521 oder 1522 in Leipzig gedruckt. Auch wenn
die Sintflut von 1524/25 nicht eingetreten war, so war der Gedanke an eine
Sintflut latent bei vielen vorhanden. Melanchthon schrieb beispielsweise
noch 1553 von der "großen Nässe" des Jahres 1524. -
An den großen Erfolg seiner ersten Schrift knüpft C. 1526 mit der
"Bedeutnus und offenbarung warer himlischer Influxion" an.
Es handelt sich dabei um das erste in Berlin aufgelegte
astronomisch-astrologische Werk. Sie ist C.s astronomisch-astrologisches
Hauptwerk. Die Schrift wurde in den Jahren 1526 bis 1548 insgesamt
(mindestens) 31 mal in ganzer Länge, zusätzlich in verschiedenen
Ausschnitten aufgelegt. - Die ersten Auflagen enthalten Prophezeiungen für
die Jahre zwischen 1527 bis 1540, seit den Auflagen von 1534 reichen sie
bis 1550, wobei die vergangenen Jahre sukzessive weggelassen werden. Die
Gliederung ist einheitlich: Der Beschreibung der astronomischen Ereignisse
folgen Prophezeiungen zunächst allgemeiner Art, dann bezogen auf einzelne
Stände und danach auf einzelne Regionen. Das Werk ist dabei ganz im Stile
seiner Zeit verfaßt. - Interessant ist jedoch das politische Thema, das
alle Prophezeiungen durchzieht: Die Überwindung der Uneinigkeit und des
Kampfes zwischen christlichen Herrschern untereinander, der laufend den
Tod christlicher Menschen zur Folge hat. Bei C. sind, mehr oder weniger
deutlich erkennbar, seine Prophezeiungen sind
immer mit einer Mahnung im Sinne eines Fürstenspiegels verbunden. -
Hintergrund dieser Aussagen sind - neben einem humanistischen Grundansatz
- die aufkommenden Konfessionskonflikte.
1527, zwei Jahre nach Umwandlung des Ordenslandes in ein weltliches
Herzogtum, wandte sich Herzog Albrecht von Preußen an ihn und bat ihn um
eine Konstellationenberechung für Preußen, was C. auch umgehend erfüllte.
Aus dem Kontakt zwischen C. und Albrecht ergab sich weine
weitreichende Korrespondenz. Neben seiner Anstellung bei Joachim I. war er
nun auch für Albrecht tätig. C.s Dienste beschränkten sich nicht nur
auf astrologischen Rat, sondern sie können geradezu als diplomatisch
bezeichnet werden. -
In jenen Jahren hat sich C. offenbar auch vermählt, denn 1535 anläßlich
der Verehelichung Joachims II. mit der polnischen Königstochter Hedwig
erfahren wir über seine Ehefrau Margarethe, geb. Rehm. -
Das Verhältnis C.s zur Reformation ist - wie vieles bei C. -
ebenfalls nur schwierig zu fassen. Die ältere Forschung ging davon aus,
daß C. in Wittenberg zwar studiert und Luther und Melanchthon zu Lehrern
hatte, sich dennoch aber an die römische Kirche hielt. Nun ist jedoch
sein bedeutendstes Werk, seine Chronik, in Kooperation mit Melanchthon
1531/32 entstanden. - In Berlin stand C. im Dienst des streng katholischen
Kurfürsten Joachim I. Nestor. Wenn der Kontakt zwischen C. und
Melanchthon überhaupt jemals abgerissen war, so wurde er spätestens am
Reichstag zu Augsburg 1530 wieder aufgenommen, wie die Erstellung von
Horoskopen für Melanchthon durch C. zeigt. Die Prognosen überzeugten
Melanchthon allerdings nicht, jedoch nahm Melanchthon C. gegenüber
Kritikern in Schutz. Doch nicht nur auf dem Gebiet der Astrologie war C.s
Wittenberger Bezugsperson Melanchthon. In seinen astrologischen Schriften
finden sich zahlreiche Zitate von Luther und Melanchthon, was eigentlich
den Intentionen Joachims I. vollkommen entgegentrat. Auch in der
Korrespondenz mit Albrecht von Preußen, der lutherisch gesinnt war, nahm
C. eine eindeutig reformatorische Gesinnung ein. Mit seiner zwischen den
Konfessionen vermittelnden philippistischen Einstellung ist er heute,
nachdem Rom im Trienter Konzil eine klare Grenzziehung vorgenommen hatte,
eindeutig zur reformatorischen Seite zu rechnen. -
Ein kurzer Blick auf den Kurprinzen, den späteren Joachim II.
Hector, zum dem C. wie zu seinem Vater ein Vertrauensverhältnis aufbauen
konnte, mag erhellend wirken. C. hatte ihn wohl in seiner Jugend erzogen,
und er stand ähnlich wie C. zwischen dem Bekenntnis zur alten Kirche und
der Reformation. Vielleicht war es C. mit seiner "philippistischen"
Denkweise, der Joachim auf die Idee brachte, mit Melanchthon Kontakt
aufzunehmen. Auf jeden Fall reiste C. 1532 im seinem Auftrag nach
Wittenberg, wo er Luther und Melanchthon aufsuchte. Es ging bei dieser
schwierigen Mission C.s dem Kurprinzen darum, Luthers Rat in der Frage des
Sakramentsempfanges einzuholen. Luther übermittelt seine Antwort an
Joachim wieder über C. -
Der intensivere Kontakt zu Wittenberg führte offenbar auch dazu, daß C.
seine gerade im Entstehen begriffene Chronik im Juni 1531 gerade in
Wittenberg drucken lassen wollte, zuvor aber Melanchthon um Durchsicht und
Korrektur bat. C. war durch seinen Einfluß auf den zukünftigen Kurfürsten
für Wittenberg von großer Bedeutung, denn daß sich Melanchthon unverzüglich
an die Arbeit machte, mag vielleicht auch durch die über C. bestehenden
Kontakte nach Berlin und den Einfluß C.s auf den zukünftigen Kurfürsten
erklärt werden. Darauf würde auch hindeuten, daß C. 1535, knapp nach Übernahme
der Regierung, durch Georg Sabinus (†1560), Melanchthons zukünftigen
Schwiegersohn, zum Doktor der Medizin promoviert wurde. - Melanchthon war
auf jeden Fall wegen der Schlampigkeit des Manuskripts entsetzt, machte
sich allerdings, sicherlich auch wegen seines hohen Interesse für die
Geschichtswissenschaften, an die Arbeit. Melanchthon erkannte zweifellos
die Chance, einen bisher fehlenden Überblick zur Weltgeschichte zu
bieten, denn vor Johannes Sleidans "De quatuor summis imperiis"
(1556) fehlten v.a. Überblicksdarstellungen. Wie weitgehend die
Bearbeitung der Chronik durch Melanchthon war, ist nicht mehr
feststellbar, da die Manuskripte nicht mehr vorhanden sind. Aller
Wahrscheinlichkeit hat Melanchthon das Werk nicht nur korrigiert, sondern
auch stärker durchstrukturiert und wesentlich an der programmatischen
Vorrede mitgearbeitet, diese vielleicht sogar überhaupt erst verfaßt. Er
selber spricht davon, daß "totum opus retexto".
- Im April 1532 kam C. dann persönlich nach Wittenberg. Während seines
Aufenthalts, der zwar auf kurfürstlichen Befehl geschehen war, aber auch
in engem Zusammenhang mit der Chronik zu sehen ist; die Darstellung in der
Chronik endet mit März 1532. Anläßlich seines Wittenberg-Aufenthalts
schrieb er sich als "J.C. Astronomus" in die Matrikeln der
Universität ein. -
Die 1532 in Wittenberg erstmals erschienene Chronik ist C.s
umfangreichstes - und in seiner Wirkungsgeschichte auch nachhaltigste<s>
- Werk. Die Vorrede ist mit "Berlin Anno Domini XXXj"
datiert, das Werk selbst Kurfürst Joachim I. gewidmet. C.s Chronik wurde
zum ersten deutschen Geschichtsbuch, die "Chronik Carionis"
wurde zum Markenzeichen. C. gliedert sein Werk - der traditionellen, aus
der Bibel abgeleiteten Zeitrechnung folgend - in drei Abschnitte: Der
erste umfaßt zweitausend Jahre von Adam bis Abraham, der zweite wiederum
zweitausend Jahre für die vier Monarchien bis auf die Geburt Jesu
Christi, im dritten befindet man sich gerade. Die Chronik unterscheidet
sich von den meisten früheren Weltchroniken vor allem durch die
Verwendung der deutschen Sprache. Ähnlich wie Sebastian Franck wollte C.
das Interesse an der Geschichte bei einer breiteren Bevölkerung wecken. -
Bahnbrechend sind die geschichtsphilosophischen Gedanken in der
Einleitung, in Zusammenarbeit mit C. weitgehend von Melanchthon verfaßt.
Es wird hier der Nutzen der Geschichte dahingehend bestimmt, daß sie
"die Fürsten zu leren vnd zu vermanen zu rechten Fürstlichen
tugenden" solle. Die Geschichte soll lehren, daß "recht
erhalten, vnrecht ernstlich gestrafft, nicht vnnöttige krieg angefangen,
sondern offt durch gedult friden erhalten" werden soll. (Chronica,
Wittenberg 1532, Bl. A IIIr-A IIIv). C. schließt darin an seine
Ermahnungen aus den astronomisch-astrologischen Schriften an. Es wird
schon bei diesen wenigen Zeilen deutlich, wie eng für C. - und
Melanchthon - die Geschichte mit der Ethik verbunden war! -
Die Chronik C.s - als übersichtliches Geschichtswerk zu einem
historischen Standard geworden - wurde schon zu Lebzeiten C.s oft nachgedruckt,
und bereits 1537 vom Lübecker Schuldirektor und späteren
Superintendenten Hermann Bonnus ins Lateinische übersetzt. Der
deutsche Text wurde durch Johannes Funk, der lateinische durch Eusebius
Menius weitergeführt. - Melanchthon verwendete das Buch auch als
"das" Lehrbuch der Geschichte. Ab 1555 hielt Melanchthon
Vorlesungen über Universalgeschichte, wobei er als Grundlage die Chronik
C.s heranzog, diese allerdings grundlegend umarbeitete. Es ist daraus ein
neues Buch in lateinischer Sprache entstanden. 1558 und 1560 wurden die
ersten beiden Bände über die Zeit bis Karl dem Großen publiziert. Diese
wurden durch Melanchthons Schwiegersohn Caspar Peucer weiter überarbeitet
und - unter Beifügung eines vierten und fünften Abschnitts - fortgeführt.
1566 war das Werk schließlich vollendet. - Die Chronik hatte
durchschlagenden Erfolg, sodaß sie zweifelsfrei zu den am häufigsten
gedruckten Werken der ausgedehnten Chronikenliteratur zählt. Die
Chronik, ursprünglich in deutscher, dann in lateinischer Sprache verfaßt,
wurde in zahlreiche andere Sprachen übersetzt. -
Beeindruckend waren nicht nur C.s wissenschaftlichen Leistungen, sondern
seine Zeitgenossen waren von der Gestalt insgesamt und von dem, was
von C. erzählt wurde, beeindruckt. Georg Sabinus und Martin Luther geben
an, daß C. ein Mann von übergroßer Leibesstatur gewesen ist. So zeigt
ihn auch ein Portrait von Lucas Cranach d. Ä. -
Über die Todesursache C.s schreibt Strobel (146): "C. war
aber auch ein großer Freund von Bacchus, der ihn auch viel zu bald der
Welt entrissen hat. Er hat nemlich mitten in einem Saufgelach, leider!
seinen Geist aufgegeben." Wann C. genau gestorben ist, läßt sich
nicht mit Sicherheit sagen. Da Melanchthon aber bereits im März 1537
berichtet, daß über den Tod C.s gesprochen wird, scheint das Jahr 1537
festzustehen. -
Die Wirkungsgeschichte C.s ist vielfältig, auch wenn sie heute
nahezu in Vergessenheit geraten ist. Bekannt geworden ist C. zunächst
gewissermaßen als Enfant terrible. Darüber hinaus war er aber auch durch
seine astrologischen Befunde weit über außerhalb der Grenzen
Brandenburgs bekannt. Es ist wohl seiner übergroßen Bekanntheit
zuzuschreiben, daß C. sehr bald auch Kritiker fand, die ihm Zauberei
unterstellten. -
In seiner Zeit war C. wohl in erster Linie für seine z.T. Aufsehen
erregenden astrologischen Schriften bekannt. Noch im 20. Jahrhundert
finden die Geschehnisse des Februar 1524 Interesse, wenn sie - allerdings
hier zugespitzt auf die Thematik der Verantwortung eines politischen Führers
- als Vorlage für Werner Bergengruens Roman "Am Himmel wie auf
Erden" (1940) dienen. Schon rund hundert Jahre zuvor hatte bereits
Willibald Alexis die Gestalt C.s in seinem vaterländischen Roman
"Der Werwolf" (1847) dichterisch verwendet. -
Interessanterweise wurde C. auch durch die politischen Ereignisse Mitte
des 19. Jahrhunderts wieder ins Gedächtnis gerufen: Als dem preußischen
König Friedrich Wilhelm IV. im April 1849 die deutsche Kaiserkrone
angeboten wurde, erinnerte man sich auch an C.s Prophezeiung, daß ein
Hohenzollernfürst die "höchste Würde der Christenheit"
erlangen werde. -
Das deutet auf eine andere Seite der Wirkungsgeschichte hin: Denn
beginnend mit einer Auflage der "Bedeutnis und offenbarung" aus
dem Jahr 1538 findet sich eine "verborgene Prophecey", die die
politischen Vorgänge in Deutschland kommentiert, wie insgesamt C.s
astrologische Deutungen zunehmend politischen Charakter erhalten.
Seine "Christliche ermanung" - in ihrer niederdeutschen Übertragung
- floß in die "Historia des Lidendes vnd der Upstandige unseres
Herren Jhesu Christi" (1531) des pommer'schen Reformators Johannes
Bugenhagen unter dem Titel "Eine Christliche Vormanunge an alle
Stende der gantzen Christenheit tho Frede unde einicheit" ein. Diese
Ermahnung zu Friede und Einigkeit bezog C. offenbar durchaus auch die
konfessionellen Konflikte seiner Zeit. - Im reformatorischen Wirken
Joachims II., seit 1535 regierend, ist vielleicht ein Einfluß C.s
auffindbar, auch wenn C. diesen nicht mehr erleben konnte. Zunächst blieb
Joachim II. der ausdrücklichen Verfügung seines Vaters gemäß altgläubig.
1539 gab er jedoch die Reformation frei; er selbst war ganz auf Ausgleich
bedacht.
Daß auch seine Weissagungen noch relativ lange wirksam blieben - und zwar
ganz im Sinne der Reformation - kann daran ersehen werden, daß noch 1548
Markgraf Johann von Brandenburg-Küstrin (†1571), ein anderer Sohn
Joachims I., das Augsburger Interim deshalb ablehnte, weil C. für dieses
Jahr das Auftreten von falschen Propheten geweissagt hatte. -
Eine Durchsicht der Buchbestände macht aber auf einen anderen
Aspekt aufmerksam: daß nur relativ wenige Ausgabe seiner astrologischen
Werke - verglichen mit den vorhandenen Ausgaben der C.'schen Chronik -
vorhanden sind, deutet auf deren Charakter als "Gebrauchsliteratur".
- Denn aus heutiger Sicht ist es in erster Linie seine Chronik, die die
europäische Geistesgeschichte am meisten beeinflußt hat. Die vorhandenen
Buchbestände unterstreichen dies: So sind bspw. von den insgesamt 153
gedruckten Werken zur Universalgeschichte aus dem 15. und 16. Jahrhundert,
die die Augsburger Staats- und Stadtbibliothek aufweist, allein 27 von C.
Ähnliches kann nicht nur für andere deutsche Bibliotheken festgestellt
werden, sondern auch für den gesamten europäischen Raum. So finden sich
bspw. in der Königlichen Bibliothek in Stockholm von C.s Chronicon elf
lateinische, vier deutsche und je eine französischen und dänische
Ausgabe, alle zwischen 1546 und 1624, die meisten aus Wittenberg,
gedruckt. Johannes Burkhardt würdigt im Band "Frühe Neuzeit"
(Königstein i. Taunus 1985, 21) das Werk: Es war "das verbreitetste
Geschichtsbuch des 16. Jh". |
Werke:
Vorhersage für einzelne und mehrere Jahre:
Practica M. Joãnis Naegelin von Buetighaim auff das 15.19.
iar. Des durchleüchtigsten Fürsten vñ herren herr Joachim Margrau z
Brandenburg &c. Astronomus. ..., o.O. (1518);
Practica Deutsch ... auff das Jar 1524, o.O. (1523);
Bedeutnus des iars M.D.XXXi. ..., Wittenberg (1530);
Practica new, auffs M.D.XXXII. iar ..., Nürnberg 1531;
Practica new, auffs 1532 jar. ..., Wittenberg 1532;
IVDICIVM ... de Anno M.D.XXXIII.
..., (Wittenberg) 1532;
Practica auff das 1533. Jar. ..., (Wittenberg 1532);
Practica auff das Jar M.D.xxxiij. ..., (Dresden 1532);
Practica vnd Offenbarung warer himlischer Jnfluxion ... biß man
schreibt M.D.XXXX., Straßburg 1533;
Prognostication dAllemaigne ... pour l'an mil.CCCCC.xxxiiii, Genf
1533;
Practica auff das M.D.XXXIIII.jar ..., Wittenberg 1534;
Pronostication dAllemaigne ... pour l'an mil.D.xxxvi, (Genf)
1535;
Practica auff das M.D.XXXVI. Jar ..., Wittenberg 1536;
Practica auff das M.D.XXXVII. jar ..., Wittenberg 1537;
Almanach ... Vp dat jar M.D.XXXVij. ..., Hamburg 1537.
Carion wird zitiert in:
Joh. Virdung, Practica vom XLiij. Jar an ... (verschiedene Auflagen
1542f.), sowie in: Practica vnnd prognostication ..., Straßburg 1543,
1544 u. 1545. -
"Prognosticatio und Erklärung der
großen Wässerung":
Prognosticatio vnd erklerung der grossen wesserung,Auch anderer
erschrockenlichenn wuerckungen. So sich begeben ... Funfftzehen hundert vñ
xxiiij. Jar. Durch mich Magistr Johãnem Carion võ Buetikaym ... tzusam
gebracht. ..., (Leipzig, 1521?).
Weitere Ausgaben: Leipzig 1521; (Augsburg 1522); (Leipzig 1522);
Leipzig 1522; o.O. (1524?).
"Bedeutnis und Offenbarung wahrer
himmlischer Influxion":
Bedeütnus vñ offenbarung warer himlischer Jnfluxion, des Hocherfarnen
Magistri Johannis Charionis Btigkaymensis. Churfürstlicher gnaden vonn
Brandenburg. &c. Mathematicj, Von Jaren zu jaren, werend biß man
schreibt. M.D. vnd xl. jar. Alle Landschafft,vñ stende vnnd einflüß
klerlich betreffent. ..., (Augsburg 1526?);
weitere Ausgaben: (Augsburg) 1526; Augsburg 1526; (Nürnberg 1526);
(Frankfurt/M. 1526/27); (Leipzig 1527); Augsburg 1527; o.O. (1527?);
Leipzig 1528; Nürnberg 1529; Nürnberg 1530; Regensburg 1530; Wittenberg
1530; (Berlin 1530); (Augsburg) 1531; Nürnberg 1531; o.O. 1532;
(Augsburg) 1534; (Augsburg) 1536; o.O. 1538; Nürnberg 1539 (4 Ausg.);
(Augsburg) 1540 (2 Ausg.); Nürnberg 1540 (4 Ausg.); Dresden 1542; Straßburg
1543 (2 Ausg.); Nürnberg 1543; o.O. 1548; Straßburg 1549.
Zusätzlich: Practica vnd Offenbarung
warer himlischer Jnfluxion ..., Straßburg 1533.
Ausgaben in Französisch: Pronostication ou Signification et
manifestation des influences des véritables cours célestes ...,
Antwerpen o.J.,
sowie in Italienisch: Pronostico ... nel quale se dechiarano le
influentie de tutte le prouincie et stati principali ..., Perugia 1530;
Pronostico ouer giuditio ... sopra gli anni MDXLI fino al MDL de anno in
anno, (Bologna) 1541.
Carion wird zitiert in:
Bombast von Hohenheim ("Paracelsus"), Prognostication auff
XXIIII Iar zuku¨nfftig. Propheceien vnd Weissagungen ..., o.O.
(1550?);
Johann Lichtenberger, Propheceyen und Weissagungen ..., o.O. 1620;
Engelländischer Wahrsager Auff das MDCLXXIII. Wunder Jahr ..., o.O. 1673. |
Chronik:
Chronik - in deutscher Sprache: Chronica durch Magistr Johan
Carion,vleissig zusamen gezogen, meniglich nuetzlich zu lesen, Wittenberg
(1532);
weitere Ausgaben (mit Erweiterungen): Augsburg 1532; Wittenberg
1532 (2 Ausg.); Marburg/L. 1532; Wittenberg 1533; Augsburg 1533; Augsburg
1534; Magdeburg 1534; Wittenberg 1538; Augsburg 1540; (Frankfurt/M.) 1546;
Wittenberg 1546; Wittenberg 1550; (Frankfurt/M.) 1552; Wittenberg 1552;
Leipzig 1552/53; Wittenberg 1554; Frankfurt/M. 1555; (Frankfurt/M.) 1556;
(Wittenberg?) 1558; Frankfurt/M. 1563?
Chronik - in lateinischer
Sprache (in verschiedenen Übersetzungen und Fortsetzungen):
als Übersetzung unter dem Titel: Chronica Ioannis Carionis conuersa ex
Germanico in Latinum à ... Hermanno Bono ..., Schwäbisch Hall
1537;
weitere Ausgaben (mit Erweiterungen): Schwäbisch Hall 1537; Schwäbisch
Hall 1539; Frankfurt/M. 1543; Paris 1543; Paris 1544.
als Erweiterung unter dem Titel: Chronicorum libellus ...,
Frankfurt/M. 1543; Lyon 1543; Paris 1543; (Paris? 1543?); Paris 1544; Lyon
1546; Paris 1550; Paris 1551.
oder dem Titel: Chronicon (Joannis) Carionis correctum &
emendatum ..., Frankfurt/M. 1546.
oder dem Titel: Chronicorum libri tres ..., Paris 1548 (2 Ausg.);
Venedig 1548; Frankfurt/M. 1550; Paris 1550; Paris 1551; Basel 1552; Lyon
1552; Venedig 1553; Lyon 1554 (2 Ausg.); Frankfurt/M. 1555; Venedig 1555;
Venedig 1556; Basel 1557; Paris 1557 (6 Ausg.); o.O. 1557; Lyon 1558; Lyon
1560; Leiden 1560; Paris 1563; Basel 1564.
"Chronicon Carionis" (bearb. durch Ph. Melanchthon bzw.
Kaspar Peucer) -
in lateinischer Sprache: Chronicon Carionis, expositvm et avctvm
mvltis, et veteribus, et recentibus historiis ...; nur (bis 1559 nur der
erste Band, ab 1560 die ersten beiden, ab 1563 alle vier) Wittenberg 1558
(2 Ausg.); Genf 1558; Wittenberg 1559; Frankfurt/M. 1559; Basel 1559f.;
Wittenberg 1560; Lyon 1560; Wittenberg 1561; Basel 1563-68; Lyon 1564-67;
Wittenberg 1572; Lyon 1576; Wittenberg 1577; Wittenberg 1580; Frankfurt/M.
1581 (3 Ausg.); Genf 1581 (2 Ausg.); Paris 1581; Lyon 1581; Wittenberg
1582; Genf 1584; Genf 1593 (2 Ausg.); Frankfurt/M. 1594; Bern 1601; Genf
1610; Genf 1617; Frankfurt/M. 1624; Frankfurt/M. 1625; (Genf 1625); (Genf)
1625.
Bzw. unter dem Titel: Chronicorum Libellus Maximus ..., o.O.
1583.
auch als Teilausgaben:
1. Bd.: Prima pars ... Latine expositi et aucti multis &
veteribus & recentibus historiis ... a Philippo Melanthone ...,
Wittenberg 1561; Wittenberg 1563; Wittenberg 1564; Wittenberg 1566;
Wittenberg 1567; Wittenberg 1570 (2 Ausg.); Wittenberg 1573;
2. Bd.: Secunda pars ... ab Augusto Caesare vsque ad Carolum magnum.
Exposita et aucta a Philippo Melancthone ..., Frankfurt/M. 1560;
Wittenberg 1560 (2 Ausg.); Frankfurt/M. 1561; Wittenberg 1563; Wittenberg
1566 (6 Ausg.); Wittenberg 1570; Wittenberg 1573; Wittenberg 1595;
3. Bd. Tertia pars ... a Carolo magno ... ad Fridericum secundum,
exposita et aucta, a Casparo Peucero ..., Wittenberg 1562; Wittenberg
1563; Lyon 1564; Wittenberg 1566; Wittenberg 1569; Wittenberg 1572;
4. Bd.: Liber quintus ... (bzw. Quarta Pars ...), a Friderico
secundo usque ad Carolum quintum, ... Exposita et aucta a Casparo Peucero,
Wittenberg 1560; Wittenberg 1565; Frankfurt/M. 1566 (2 Ausg.); o.O. 1566;
Wittenberg 1566; (Wittenberg) 1566; Wittenberg 1570; Wittenberg 1572;
Wittenberg 1580; Wittenberg 1591; Wittenberg 1596; Wittenberg 1601.
"Chronica Carionis" (bearb. durch Ph. Melanchthon bzw. Kaspar
Peucer) -
in deutscher Übersetzung:
(1. Bd.:) Chronica Carionis. Aller Oberkeit inn sonderheit, auch
allen Stenden vnd Vnterthanen notwendig vnd nützlich zu lesen, Dieweil
dis Buch anleitung gibt zu Historien Göttlicher Schrifft, vnd allen
andern ..., Wittenberg 1560; (Wittenberg 1562?); Wittenberg 1563;
2. Bd.: Der Ander Teil ... Vom Keiser Augusto bis auff Carolum
Magnum ..., Wittenberg 1562; Wittenberg 1566;
3. Bd.: Der dritte Teil ... Von Keiser Carl dem grossen an ... bis
auff Fridrichen den andern ... durch den Herrn D. Casparum Peucerum,
Wittenberg 1564; Wittenberg 1665.
Als Gesamtedition unter Carions Namen: Chronica Carionis. Von
anfang der Welt,bis vff Keiser Carolum den Fuenfften ..., Wittenberg 1573;
Wittenberg 1575; Wittenberg 1578; Wittenberg 1588 (2 Ausg.).
Unter Melanchthons Namen: Neuwe vollkommene Chronica Philippi
Melanthonis. Zeytbuch Vnd Warhafftige Beschreibung, Was von anfang der
Welt biß auff diß gegenwertige Jar ... Anfenglichs vnterm Namen Johan
Carionis auffs kuertzest verfast, Nachmals durch Herrn Philippum
Melanthonem vnd D. Casparum Peucerum auffs neuwe vbersehen ... auß dem
Latein verdeutscht durch M. Eusebium Menium ..., Frankfurt/M. 1566 (2
Ausg.); Frankfurt/M. 1569; Wittenberg 1573.
Die Chronik in anderen Übertragungen/-setzungen und verschiedenen
Bearbeitungen:
ital.: Chronica di Giovanni Carione com mirabile artificio composta
..., Venedig 1533; Venedig 1543; Venedig 1548.
Tschechisch: Knieha Kronyk owsselikych znamenitych wecech odpocatku
sweta zbehlých mierne a porádne wyprawugijcý y kterých casuow a let co
se prihodilo ..., Leitmeritz 1541; Prag 1584.
Niederdt.: Chronica dorch M. Johan. Carion, vlitich thosamende
getagen, vnde vppet nye gebetert ..., Magdeburg (1542); Magdeburg
(1547).
Franz.: Le liure des chronicques du Seigneur Iehan Carion
philosophe ..., tourné de latin en françoys par Maistre Iehan le Blond,
Paris 1546; Paris 1547; Paris 1548; Lyon 1549; Paris 1551; Paris 1553 (7
Ausg.); Paris 1555; Paris 1556; Paris 1575?; Lyon 1577; Lyon 1609;
bzw. unter dem Titel: Chronique et histoire universelle ..., dressée
premièrement par Jean Carion puis augmentée ... par Philippe Melanchton
et Gaspar Peucer, et réduite en cinq livres traduits du latin en françois
... [par Simon Goulard], (Genf) 1575; Genf 1580 (2 Ausg.); (Lyon) 1580;
o.O. 1594; (Genf) 1595 (2 Ausg.); (Genf) 1611 (2 Ausg.); Genf 1611 (3
Ausg.); (Köln?) 1611;
bzw. unter dem Titel: Extrait de Jean Carion sur le siège de Metz
en 1552, Metz 1847.
Engl.: The thre bokes of cronicles, whyche Iohn Carion ... gathered
wyth great diligence of the beste authours ..., London 1550.
Flämisch: Een Chronijcke van altghene datter geschiet is vant
beginsel des werelts totte iare 1543 ..., Antwerpen 1553;
bzw. unter dem Titel: Chronicon Carionis: van den beghinne der
Werelt aen tot op Keyser Carolum den vijfden ... vermeerdert ende gebetert,
door Philippum Melanthonem ende D. Casparum Peucerum ... in de
Neder-Duytsche tale, door W. V. N. [= Willem Van Zuylen Van Nyevelt],
Dordrecht 1586.
Span.: Suma y compendio de todas las Chronicas del mundo, desde su
principio hasta el año presente, trad. por Francisco Thamara, Es la
Chronica de Iuan Carion ..., Antwerpen 1553; Antwerpen, 1555.
Schwed.: Chronica M. Johan Carion, paa thet flitigste sammen dragen,
huer mand nytteligt att loese,oc er nu fordan sket aff M. Joenn Turszon
Canick i Lund ..., Wittenberg 1554;
bzw. unter dem Titel: Chrönika ... ifrån werldenes begynnelse, in
til Keyser Carl then femte ..., Nyköping 1649.
Dänisch: Cronica Johannis Carionis. hvor udi findis bescreffuen
Tiden oc Aarene oc huad der udi skeet er fra Verdsens begyndelse , det er
fra Adam oc indtil Abraham, &c. ... orbedret aff Philippo Melanthone
oc nu nyligen udset paa Danske oc forbedret aff Philippi Scriffter aff
Christen Lauritzøn Linued, Kopenhagen 1595.
Latein. Bearb.: Chronicon Carionis Philippicvm in Enchiridii formam
redactum, ... bono studio contextum à M. Halvardo Gvnario ..., Rostock
1596; Rostock 1601; Rostock 1606.
Historische Beiträge:
Unsicherheit herrscht über die Verfasserschaft des Namenbüchleins
(traditionell wird M. Luther genannt, auch Joh. Aventin, aber auch C.):
Aliquot Nomina Propria Germanorum ad priscam etymologiam restitua ...,
Wittenberg 1537; Wittenberg 1544; Wittenberg 1554 (2 Ausg.); Oberursel
1559; Wittenberg 1570; Helmstedt 1663; Wittenberg 1570 (2 Ausg.);
Helmstedt 1573; Luther, WA 50, 135-146;
in dt. Übers.: Herrn D. Martin Luthers Seel. vielfältig
verlangtes Namen-Büchlein ... hgg. v. G. Wegener, Leipzig 1674 (in
versch. ND); D. Martin Luthers Namen-Büchlein ... hgg. ... v. Chr. Aug.
L. Kästner, Leipzig 1817.
Carion wird zitiert in:
J. Spiegel, Iuris Civilis Lexicon ... In: Tit. C. Iustiniani, Christophori
Hengendorphini Exegeses, Straßburg 1538;
K. Hedio, Summa der Vorstoeringe Jerusalem ..., Magdeburg 1540;
M. Wagner, Historia. Oder kurtze einfeltige Erzelung ..., Jena 1582;
D. Herlitz, Corollarium primi ..., Stettin 1598;
Joh. Iden, Christianae Iurisprudentiae Idea ..., Berlin 1612;
P. Saxe, Exercitationes Historicæ in J. A. Cypræi, ... aliorumque
annales, In: E. J. v. Westphalen (Hrsg.), Monumenta inedita Rerum
Germanicarum praecipue Cimbricarum et Megapolensium ... instr., 2. Bd.
(von 4), Leipzig 1740;
E. E. Hoch, Disquisitio de chronici, quod extat sub nomine Ioannis
Carionis, vera et genuina origine ..., Wolfenbüttel 1755. |
Astronomische Schriften:
Vom Cometen den man newlich jm M.D.XXXII. jar gesehen hat,iudiciu
gestellet durch Magistrum Johã. Carion, Wittenberg 1533 (2 Ausg.);
Eyn Ewig Almanach auf Koenigsbergk gerichtet,zu ehren dem
durchlauchten hochgeborenn Fuersten Herrn Albrechten Marggrauen zu
Brandenburgk &c. ynn Preussen Hertzogen ..., Stettin 1537.
Weissagungen und deren Auslegungen:
Ausslegung der verborgenen Weyssagung Doctor Ioannis Carionis von
veranderung vnd zu felligem glueck der hoechsten Potentaten des Roemischen
reichs, o.O. 1546 (2 Ausg.); (Augsburg) 1546; Nünrberg (1546); Erfurt
1546 (3 Ausg.); Nürnberg 1546; o.O. (1546?); o.O. 1547; Nürnberg
1547.
Engl.: A wonderfull prophecye contynuyng tyll the yere of our Lorde.
M.D.LX ... translated ... by Anthony Scoloker, London 1550. Propheceien
und Weissagungen. Vergangne, gegenwertige, und künfftige Sachen,
Geschicht unnd Zufäll, hoher unnd niderer Stände ..., o.O. (1549?);
Frankfurt/M. (1550?);
Weissagung vnd Offenbarung aus,Himlischer Jnfluentz,von vergangenen,vnd
jtzigen leufften ..., Erfurt 1567.
Prognosticon, Oder Propheceyung Johan C.s. Das ist,Auslegung der
verborgen weissagung Doctor Johannis Carionis,Von verenderung vnd
zufelligem Glueck der hoechsten Potentaten des Roemischen Reichs. ... zur
trewen warnung ..., o.O. 1593 (2 Ausg.); (Eisleben) 1594;
u. d. Titel: Propheceiung Johann C.s ...: o.O. 1620 (4 Ausg.); o.O.
1634;
u. d. Titel: Trübsal Der gantzen Welt auch Veränderung vieler
Herrschafft und Regimenten: Propheceyen Und Weissagungen ...: o.O.
1620; o.O. 1621;
u. d. Titel: Prophetereyen Und Weissagungen ...: o.O. 1620.
Prognosticatio, Das ist Weissagung vnd Enderung der letzten Monarchi
und anderer Königreichen ..., o.O. 1611.
Ausslegung der verborgenen Weyssagung ... gemeins. mit anderen
Astrologen (Paracelus, Joh. Liechtenberger, Jos. Grünbeck, u.a.)
gedruckt: Straßburg 1548; Frankfurt/M. 1548?; Straßburg 1549 (3 Ausg.);
o.O. 1549 (2 Ausg.);
Textausschn. weiters in:
Vaticinia postremi seculi Duo ..., Darmstadt 1610;
H. v. Rantzau, Thematum, Sive Locorum Hylegialium ..., Frankfurt/M.
1611;
Vaticinia postremi seculi Duo ..., Darmstadt 1612; Darmstadt 1621;
VI. Prognostica Von Verenderung und zufälligem Glück und Unglück der höchsten
Potentaten im Römischen Reich, Auch des Türcken und Pabst ..., Halle/S.
1613; o.O. 1620 (2 Ausg.); o.O. 1621;
u. d. Titel: Deus est, qui transfert & stabilit regna. VI. Prognostica
...: o.O. 1621;
Vaticinium Trin-Uni-Sonum ..., Middelburg? 1620;
Neun uhralte Propheceyungen, Prognostica, Visiones und Weissagungen ...,
Schmalkalden 1643;
Ein Alte Weissagung: Doctr. Johan Carionis So Vermuhtlich Auff itzigen
Zeitenlauff ihr Ziel erreichet ..., o.O. 1672.
"Eine christliche Vermahnung an alle Stände": Eine
christliche Vermahnung ... von C. finden sich auch in: Joh. Bugenhagen,
Historia des Lydendes vnde der Vpstandinge vnses HERen Jhesu Christi,
Magdeburg (1559?); Hamburg 1562; Magdeburg 1565; Wesel (1565?); Hamburg
1580; Magdeburg 1581; Magdeburg 1582; Magdeburg 1584; Magedeburg 1589;
Greifswald 1595 u.ö. |
Lit. (Ausw.):
Melchior Adam, Vitae Germanorum
philosophorum, qui seculo superiori, et quod excurrit, philosophicis ac
humanioribus literis vlari floruerunt, Frankfurt a. Main-Heidelberg 1615,
104f.; -
Johann Christoph Adelung, J.C., ein
Sterndeuter. In: ders., Geschichte der menschlichen Narrheiten ..., 3.
Tl., Leipzig 1787, 110-147; -
Barbara Bauer, Die Rolle des Hofastrologen und Hofmathematicus als
fürstlicher Berater. In: August Buck (Hrsg.), Höfischer Humanismus (=
Mitteilung der Kommission für Humanismusforschung 16), Weinheim 1989,
93-117; -
dies., Die göttliche Ordnung in der Natur und Gesellschaft. Die
Geschichtsauffassung im Chronicon Carionis. In: Jürgen Leonhardt (Hrsg.),
Melanchthon und das Lehrbuch des 16. Jahrhunderts (Begleitband zur
Ausstellung im Kulturhistorischen Museum Rostock, 25. April bis 13. Juli
1997), Rostock 1997, 217-229; -
dies., Die Chronica Carionis von 1532, Melanchthons und Peucers
Bearbeitung und ihre Wirkungsgeschichte. In. Himmelszeichen und Erdenwege
(s.d.), 203-246; -
Stefan Benning, J.C. aus Bietigheim. Eine biographische Skizze. In:
Himmelzeichen und Erdenwege (s.d.), 193-202; -
Art. C., J. In: DBE II, 279; -
Peter Findeisen, Bildnisse J.C. In: Blätter zur Stadtgeschichte 7
(1988), 137-142; -
Almut Fricke-Hilgers, Die Sintflutprognose des J.C. für 1524 mit
einer Vorhersage für das Jahr 1789. In: Himmelszeichen und Erdenwege
(s.d.), 277-302; -
Max Friedeberg, Das Bildnis des Philosophen J.C. von Crispin
Herranth. Hofmaler des Herzogs Albrecht von Preußen. In: Zeitschrift für
Bildende Kunst NF 30=54 (1919), 309-316; -
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Astronom (= Archenhold-Sternwarte Berlin-Treptow, Vorträge und Schriften
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Geschichte, Bd. III, Züllichau, 1791; -
Peter Hafftitz, Microcronion Marchicum a.D. MDXCIX = Adolph
Friedrich Riedel (Hrsg.), Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung
der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte
der Mark Brandenburg und ihrer Regenten, IV. Hauptteil: "... der
Urkunden-Sammlung für die Orts- und spezielle Landesgeschichte"/1.
Bd., Berlin 1862; -
Jürgen Hamel, Geschichte der Astronomie, Stuttgart 2.2002;
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Bd. 1: Die Matrikeln von 1477-1600, Stuttgart 1906 (ND: Tübingen 1976);
-
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Aby M. Warburg,
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Michael Wiemers, 1533 in Halle: J.C. zu Gast bei Albrecht von
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Bauwerk". Die Moritzburg in der hallischen Stadtgeschichte 1503- 2003
(= Forschungen zur hallischen Stadtgeschichte 5), Halle/Saale 2004,
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Johann Heinrich Zedler, Grosses vollständiges
Universallexicon aller Wissenschafften und Künste, 68 Bde., Halle/Leipzig
1732-1754, Bd. V (1733), Sp. 836f.,
Hildegard Ziegler, Chronicon Carionis. Ein Beitrag zur
Geschichtsschreibung des 16. Jahrhunderts (= Hallesche Abhandlung zur
neueren Geschichte 35), Halle 1898.
Karl-Reinhart Trauner
Letzte Änderung: 25.08.2007
<Offensichtliche Fehler sind rot
gekennzeichnet.>
Der Trauner-Text erscheint auch bei
"Spiegel-Wissen":
http://wissen.spiegel.de/wissen/dokument/dokument.html?id=57197199&suchbegriff=CARION,%20Johann(es)&top=Lexikon
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