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LEBENSZEUGNISSE

Epigramm auf dem Bild von Lucas Cranach (nach Findeisen, S. 140)

SI QVIBVS EST LECTIS MEA COGNITA FAMA LIBELLIS

QVOS MEA SOLERTI CVRA LABORE DEDIT

ILLE EGO SVM CARION COELI QVI SYDERA TRACTO

CLARVS ET ASTRORVM NOMEN AB ARTE FERO

Wenn jemandem nach Lektüre meiner Büchlein mein Ruf bekannt ist,

die meine Sorgfalt mit gekonnter Mühe (der Welt) gegeben hat:

Ich bin jener berühmte Carion, der die Gestirne des Himmels behandelt;

ich bringe auch der Sterne Namen mithilfe meiner Kunst.

Wie in der Zeit üblich, besteht der Text aus Distichen. Der Schwerpunkt von Carions Selbstdarstellung liegt also auf seinen astronomischen Leistungen.

Almut Fricke-Hilgers (Fricke-Hilgers S. 279) zitiert dieses Epigramm ebenfalls; bei ihr lautet das Zitat so:
"QUID EST LECTIS MEA COGNITA FAMA LIBELLIS
QUOS MEA SOLERTI CURA LABORE DEDIT
... EGO SU<M> CARION COELI QUI SYDERA TRACTO
CLARUS RT ASTRORU<M> NOMEN AB ARTE FERO"
und die Übersetzung laute: "Wie groß ist mein Ruhm, der mir wegen meiner vielgelesenen Schriften, die aus sorgfältigen Studien hervorgingen, zuteil wurde. Ich bin der berühmte Carion, ich untersuche die Gestirne des Himmels und preise die Namen der Sterne durch meine Wissenschaft."
Ihrer Anmerkung nach stammt die Übersetzung von Reisinger.

Bei Wikipedia heißt es beim Bildnachweis: "Der lateinische Text auf dem Gemälde lautet: SI QVIB<US> EST LECTIS mea COGNITA FARMA LIBELLIS / QVOS MEA SOLERTI CVRA LABORE DEDIT / ILLE EGO SV CARION; COELI QUI SIDERA TRACTO </> CLARIS ET ASTROR V NOMEN AB ARTE FERO
Auf deutsch heißt dies: Ich bin Carion, der berühmte Verfasser von vielgelesenen Werken, die ich aufgrund meiner Arbeit und meines Studiums verfasst habe, ich untersuche die Gestirne und rühme die Namen der Sternbilder."

 
Georg Sabinus: Carion - Gast bei seiner Hochzeit (drittes Buch seiner Elegien, p. 83)

Dulce nec hinc aberit Charitum decus atque leporum,

Grande saginati Cario uentris onus:

Qui uaga scrutatus reuoluti sidera coeli

Coniugii dicet fata futura mei,

An Venus et nostro sit Iuppiter aequus amori,

Inspicietque cauae signa notata manus.

Hier wird auch nicht fehlen der Grazien und der Anmut Zierde,

Du, Carion, große Last eines gemästeten Bauchs:

Wer erforscht hat die schweifenden Sterne des umlaufenden Himmels,

wird das künftige Schicksal meiner Ehe künden,

ob Venus und Jupiter unserer Liebe günstig sind,

Er wird auch betrachten die bestimmten Zeichen der hohlen Hand.

Zu diesem Gedicht führt Kuhlow (S. 61 mit Anmerkung 26) aus:

"Aus einer Stelle im dritten Buch der Elegien des Georg Sabinus erhellt, daß Carion Gast bei dessen Hochzeit mit Melanchthons Tochter im November 1536 in Wittenberg gewesen ist. Sabinus schreibt: " Dulce nec hinc aberit Charitum decus atque leporum, Grande saginati Cario ventris onus". <dazu Anmerkung 26> Somit dürfte er wohl zum engeren Freundeskreis Melanchthons zu zählen sein."

Und Anmerkung 26:

"Poemata Georgii Sabini, Leipzig 1578, S. 83.
Es handelt sich hier offensichtlich um ein Spiel mit den lateinischen Worten 'lepor' = Liebeswürdigkeit <sic!> und 'lepus' = Hase. Man könnte das Ganze dann wohl am besten so verdeutschen: 'Hier wird auch nicht der süße Schmuck der Liebenswürdigkeiten (oder 'der Hasen', nämlich der gebratenen!) fehlen, noch Carion, die große Last des gemästeten Bauches.' "

Die Intention von Kuhlows Aussage (Carions Nähe zu Luther - über Melanchthon) dürfte stimmen, aber das Wortspiel ist wohl nicht gegeben, da die Quantitäten (lepôrum!) nicht stimmen und Sabinus sich wieder an die antiken Quantitäten hält.

 

Martin Luther: Tischrede

Carion, olim adversarius meus, semel ausus est in sua practica diem et annum praedicere, in quo Lutherus esset cremandus. - Sed diem, in quo tantum se potu obruit, ut moreretur, numquam praedixit. Carion, einst mein Gegner, wagte es einmal in seiner Praktik, Tag und Jahr vorherzusagen, an dem Luther verbrannt werden müsse. - Aber den Tag, an dem er ein solches Übermaß an Wein zu sich nahm, dass er davon starb, hat er niemals vorhergesagt.
Luthers Werke, Tischreden, Bd. 2, S. 445: Nr. 2394; Seitenüberschrift: Die Sammlung von Konrad Cordatus, 1. bis 9. Januar 1532

Zum 2. Satz (Sed ...) heißt es in Anmerkung 13: "Der Schlußsatz, der bei Aurifaber fehlt, ist von Cordatus erst 1537 hinzugeschrieben. Carion starb, dem Trunke ergeben, am 2. Februar 1537."

<Dickdruck von mir.>

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